Pinsellexikon
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Geschichte
Man glaubt es kaum. Der Pinsel gehört wohl zum ältesten Handwerkszeug des Menschen. 1879 entdeckten Forscher in der Höhle von Altamira (in der nordspanischen Provinz Santander)ein vollständiges Maler-Atelier, das wohl aus der Zeit um (und nun haltet euch fest) 13500 v.Chr. stammt!
Man fand dort Pinselformen, wie auch wir sie heute noch verwenden. Es handelte sich um Exemplare mit Griffen aus Röhrenknochen in denen Haare in verschiedenen Stärken und unterschiedlichen Längen eingesetzt waren. Unglaublich oder ? Also arbeitete schon der Urzeitmensch mit Pinseln.
Die Haare
Man unterscheidet zwischen folgenden Haararten :
Kolinsky-Rotmarderhaar : Farbe = rotblond
Hierbei handelt es sich wohl um das teuerste und wertvollste Pinselhaar. Es stammt von den Schweifhaaren des Kolinsky - Rotmaders (" mustela sibirica "). Das große, sibirische Feuerwiesel kommt, außer in Sibirien, auch noch in China und Korea vor. Diese Wieselart besitzt ein kräftiges, feines und buschiges Fell. Die Spitzen sind extrem lang und fein. Der Preis für pinselfertiges Rotmarder-Haar liegt weit über dem von Gold(10 000 € pro kg)
Nutzung: Hochwertige Aquarell und Öl - Pinsel
Das normale Rotmarderhaar: Farbe = rötlich
Eigentlich gibt es ja ein Tier namens "Rotmarder" gar nicht. Wenn man von Rotmarder spricht, meint man das rotblonde Haar des Wiesels. Diese Marderart kommt in Europa, Nordamerika, Nordafrika und Asien vor. Seine Schweifhaare sind ebenfalls feinspitzig und elastisch, aber wesentlich kürzer.
Nutzung: Hochwertige Aquarell, Ölmal , Retuschier -und Schriftenpinsel
Iltishaare: Farbe = schwarz , braun bis gebgrau
Der Iltis ist ebenfalls eine Marderart und in den gleichen Gegenden verbreitet, wie das Wiesel. Es ist relativ kurz.
Nutzung: Kleine Feinhaarpinsel im Ölmal und Aquarellbereich
Fehhaare: Farbe = stark variierend
Das Wort "Feh" kommt aus der russischen Pelz und Pinselindustrie. Es gibt vier verschiedene Arten von Feh-Haar. Grundsätzlich stammt es jedoch vom Schweif der Eichhörnchen (kanadische Art; es muß nachgefärbt werden) Kasanisches Fehhaar ist rotbraun. Talutky-Fehhaar ist eher selten und ist abgeleitet von einem gleichnamigen Mongolen-Stamm in Sibirien. Und zum Schluß noch blaues Fehhaar von schwarzen Eichhörnchen in der Mongolei und Sibirien.
Rindsohrenhaare: Farbe = weiß , schwarz , braun
Rindshaare stammen von südamerikanischen , aber auch alpenländischen Rindern. Sie haben lange feine Spitzen und sind dazu auch noch kräftig. Achtung! Das weiße Rindshaar wird auch oft rotmarderähnlich eingefärbt und den Pinseln beigefügt. Solch präparierte Pinsel dürfen auch unter dem Namen Rotmarder vertrieben werden (Allerdings nicht als echte Rotmarder) Durch ihre extreme Länge werden Rindshaare zur Herstellung von Schleppern-, Plakatschreibern- und Schriftenpinsel benutzt.
Nutzung: Ölmalpinsel
Dachshaare: Farbe = ?
Die Dachshaarpinsel stammen von türkischen und chinesischen Dachsen. Das Kammhaar vom Rücken ist hochwertig und wird für Dachsvertreiber benutzt. Das kürzere Seitenhaar dient zur Herstellung von Glas und Porzellanmalpinseln.
Ziegenhaar: Farbe = grau und weiß
Das Ziegenfellhaar stammt von japanischen oder chinesischen Ziegen. Dieses Pinselhaar ist das qualitativ minderwertigste Haar zur Pinselherstellung. Es dient zur Herstellung von Schulmalpinseln.
Ponyhaare: Farbe = variiert
( Fälschlicher Weise auch Kamelhaar benannt ! ) Es stammt von asiatischen und südamerikanischen Kleinpferden. Das Ponyhaar ist ein Feinhaar minderer Qualität
Nutzung: Schulmalpinseln oder Hobbymalpinseln
Naturborsten: Farbe = weiß , grau und schwarz
Schweineborsten werden aus China importiert. Sie sind preisgünstig und hochwertig. Die Schweineborsten sind sehr kräftig.
Nutzung: Ölmalpinsel
Synthetische Haare
Die Kunstfasern bilden eine ökonomische, wie ökologische Alternative. Die Synthetikhaare sind ebenfalls konisch und haben nadelfeine Spitzen. Hohe Spannkraft und Stabilität sowie Haltbarkeit sind ebenfalls Pluspunkte. Pinsel aus Kunstfasern haben sich in der Acrylmaltechnik und auf rauhen Untergründen bewährt.
Farbaufnahme und Farbabgabe
Haare und Borsten lassen im Pinselkörper kleine Kapillare entstehen, in die die Farbe einfließt beziehungsweise aufgesogen wird. Je mehr Haare also in einem Pinsel zusammengefasst sind, desto größer ist die Kapillarwirkung, um so größer ist natürlich auch die Farbaufnahmefähigkeit. Das dünnste Haar ist Fehhaar. Daher ist die Haarmenge in der Zwinge größer und das Haar kann daher am besten Farbe aufnehmen.
Naturhaare und Naturborsten sind alle gleich aufgebaut. Essays Um einen Markstrang schließt sich eine schuppenartige Deckschicht. Diese ist von großer Bedeutung für die Saugfähigkeit, Schluss und Elastizität des Pinselkörpers. Je enger die feinen Schuppen am Markstrang anliegen, um so größer ist die Spannkraft des Pinsels. Saugt ein Pinsel zu lange Wasser oder kann er nicht richtig austrocknen, so öffnet sich die Schuppenhülle. Die Elastizität lässt nach. Das bedeutet der Pinselkörper "geht aus der Form". In diesem Falle reinigen Sie den Pinsel gründlich, streifen Sie ihn ab und geben im ausreichend Zeit zum Trocknen.
Der Industriefaser fehlt diese natürliche schuppenartige Deckschicht. Daher sind diese Pinsel gegenüber denen mit Naturhaaren in Sachen Farbabgabe eindeutig unterlegen.
Reinigung
Öl
Nur Verdünner verwenden. Abstreifen & Ausklopfen.
Acryl
Wasser und Kernseife genügen, wenn die Farbe noch feucht ist. Ist die Farbe trocken ----> Verdünner oder sonstige Pinselreiniger (ist aber mühsam)
Aquarell, Tempera usw.
Wasser. (Pinsel müssen im Wasserglas hängen. Stehen sie, läuft man Gefahr, daß die Haare ihre Form ändern und/ oder gestaucht werden. Diese Formänderung ist meist irreparabel!) Nach dem Malen, fließend Wasser und ab und zu Kernseife. (Die Kernseife führt dem Schuppenpanzer Fett zu. So schließen sich auch aufgeweichte Schuppen erneut fest um den Markstrang.
Für alle Arten gilt Den Pinselkopf beim Reinigen am Zwingenrand gut durchreiben, damit keine Pigmentrückstände in der Zwinge verhärten und die Haare sich dann abspreizen.
Nach dem Reinigen sollte man den Pinsel auf einem feinem Läppchen abstreifen und die Spitze mit den Fingern wieder in die Ausgangslage zurück formen. Nun gut abtrocknen lassen. So behält der Pinsel seine Urform und Spannkraft sowie die Elastizität.
Quelle: Boesner Katalog