Farbenlehre

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Erkennen von Farben liegt in unserer Welt in Systemen vor, die sich evolutionär hoch entwickelten. Wobei "hoch" schon die Anfangsstufe der ersten Zellorganisationen mit einbezieht, diese Lebensformen benötigen Farben als energetisches Licht um ihre Überlebensstrategien zu festigen; oder besser gesagt, diese ersten Wesen verdanken ihre Existenz dem Licht und seine Farben. Der Mensch hat jahrtausende lang, Licht nur in der Farbe "weiß" erkannt. Erst als Newton es mit dem Glasprisma zerlegte und Physiker bis in unsere Zeit nach und nach das Phänomen Licht ergründeten wurde sein wahrer Charakter offenkundiger. Dank der Kenntnis des Atomaufbaus und der Quantenmechanik liegt uns das Wissen über das Licht -und somit auch der Farben weit differenzierter vor. Wir kennen die elektromagnetische Wellennatur, des Lichtes die im atomarelektronischen Bereich mit den Elementen und diversen Substanzen in Wechselwirkung tritt, und je nach Absorbtion der Wellenlängen und Quanten die unterschiedlichen Erscheinungen erzeugt, die wir Farben nennen. Die elektromagnetische Energie durchpulst unseren Kosmos in einem enorm großen Frequenzbereich; Radio wellen können Wellenlängen bis 10 Kilometer haben. Aus dem Weltall erreichen uns ultrakurze Wellen mit etwa einem milliartstel Millimeter. Das menschliche Auge nimmt von diesem riesigen Bereich nur einen winzigen Teil wahr, nähmlich Wellen längen zwischen 0,00038 und 0,00075 Millimeter; diesen kleinen Bereich erkennen wir als sichtbares Licht in der Farbe weiß. Fehlen einige Wellenlängen sehen wir farbig. Bei roter Farbe beispielsweise sehen wir den Teil des elektromagnetischen Spektrums mit einer Wellenlänge von ca.0,0007 Millimeter. Die übrigen Wellenlängen wurden von dem Material absorbiert, während die Wellen des roten Bereichs reflektiert wurden.

Die Farbe entsteht indem Photonen auf die Gegenstände (Materialien) einwirken Transitition und die Elektronen der Atome neu ordnen; zugleich verliert das Licht seine Wellennatur und wird Materie. Die Elektronen kreisen, ja wirbeln in den Atomen auf Bahnen. Werden sie plötzlich von Photonen getroffen wechseln sie auf eine andere Energieebene; sie werden geschubst, gehoben, gestoßen oder wie auch immer- in diesem Moment wird eine bestimmte Wellenlänge des Lichts absorbiert. Der Rest jedoch wird reflektiert und wir erkennen das als Farbe.

Lange Zeit nach dem Newton die farbige Natur des weißen Lichts entdeckte aber auch schon zu seinen Lebzeiten wurde er von Poeten, Philosophen und Theologen kritisiert, weil er dem Licht das Geheimnis der Farben entlockte. Viele Menschen reagierten ernüchtert, wie wenn sie aus einem romantischen Traum erwachten, denn wie sollte das bisher helle Weiß des Lichtes farbig sein?

Geht es uns heute auch so nach diesen neuesten Erkenntnissen ? Nein: Angesichts der Vorgänge in der unvorstellbar kleinen Welt der Atome können wir von der Entstehung der Farben, die uns umgeben nur ehrfurchtsvoll von Wundern sprechen und damit auch ein wenig von der verloren geglaubten Romantik zurück gewinnen. Menschen, die mit Farben die Welt zu erfassen suchen, sollten sich eine neue Denkweise aneignen: Es sollte ihnen bewußt werden, daß sie nicht mit Farben sondern mit Licht malen, das auf so phantastische Weise Farbe entstehen läßt.

Die Farbmischung

Grundlegend unterscheidet die Farblehre zwei Mischarten:

a) die additive Farbmischung des Lichtes

b) die subtraktive Farbmischung der Pigmentfarben.

Im Folgenden sind bei Farbmischbeschreibungen immer Pigmentfarben gemeint.

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Die drei Primärfarben rot gelb blau


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Werden zwei Primärfarben vermischt ist das Ergebnis eine Sekundärfarbe. Sekundärfarben entstehen nur mit gleichen Pimärfarbanteilen. Ändert sich der jeweilige Anteil, entstehen Farb-Zwischentöne. Es wird dann aus: rot + gelb + blau = grau ............ aus: rot + blau + wenig gelb =schwarz ............ aus: gelb+ rot + schwarz = Brauntöne

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Der komplette Farbkreis enthält die drei Urfarben als Primärfarben und die aus ihnen gemischten Sekundärfarben.

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die Farbkreise wurden dem Urbeitrag sladdi's entnommen

Farbenharmonie

Die Lehre von der Harmonie der Farben war und ist innerhalb der Farbenlehre ein viel diskutiertes und auch umstrittenes Thema. Ganz allgemein: Harmonie ist wesentlich auch von der subjektiven sinnlichen Wahrnehmung jedes Einzelnen abhängig. Dafür verbindliche Regeln festzulegen hieße den Künstler in ein Korsett zwängen, das alle freiheitliche Darstellung und Interpretation in Frage stellen würde. Trotzdem kristallisierten sich im Laufe der Zeit Grundregeln heraus, die von den darstellenden Künstlern aus natürlichem Talent oder durch Erlernung angewandt werden.

In der geschichtlichen Entwicklung der Farbenlehre hat Leonardo da Vinci (1452-1519) wohl als erster das Thema Farbenharmonie in seinen Notizen Von den Farben aufgezeichnet.

Von Zusammenstellung einer Farbe mit der anderen, derart, daß sie einander Anmut verleihen
Willst du bewirken, daß die Nachbarschaft einer Farbe der anderen anstoßenden Farbe Anmut verleihe,
so bediene dich der Regel, die man die Sonnenstrahlen bei der Fügung des Bogens am Himmel, den man
mit anderen Namen Iris nennt, bilden sieht. Diese Farben erzeugen sich bei der Fortbewegung der
Regentropfen; denn ein jedes Tröpflein verwandelt sich bei seinem Niederfall in jede der Farben
dieses Bogens, wie seinesorts dargetan werden soll.
Achte darauf, wenn du eine ausgezeichnete Dunkelheit machen willst, daß du ihr eine ausgezeichnete
Helligkeit zum Vergleich gibst, und ebenso wirst du eine sehr hohe Helligkeit mit einer stärksten
Dunkelheit zusammenbringen. usw.

Leonardo da Vinci hat gewissermaßen die Anschaulichkeit des Farbkreises andeutungsweise vorweg genommen und das alleine durch sein intensives Naturstudium.

Bis zu dem in jetziger Zeit vorliegenden zwölf- oder mehrteiligen Farbkreis war ein langer Weg. Zur Beurteilung von Farben über ihr Zusammenwirken, so daß für den Betrachter Harmonie entsteht haben in der Vergangenheit namhafte Persönlichkeiten mitgewirkt. Im folgenden sind diese Forscher und Farbexperten namentlich und ihr hauptsächliches Arbeitsergebnis aufgeführt:

Leonardo da Vinci (1452-1519...........s.o. hat natürlich viel mehr über Farben geschrieben
Um 1700................................Primärfarbenidee
Moses Harris (1770)....................Farbrad
Graf von Rumfort (1753- 1814)..........Farben sind harmonisch wenn ihre Vermischung unbunt
(grau) ergibt
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).Umfangreiche Abhandlungen über sittlich-sinnliche Farbwirkung
Farbkreis,Farbenpaare,Sukzessivkontrast: bei grün ergibt rotes Nachbild
Philip Otto Runge (1777-1810)..........Farbenkugel; gelb, rot und blau erfüllen die Graubedingung
und sind deshalb Optimum der Harmoniebeziehung
Michel Eugene Chevreul (1786-1889).....die Harmonie des Kontrastes bringt die komplementäre
Anordnung und ist jeder anderen überlegen; Simultankontrast
Rudolph Adams (1862)...................Farbstern
Wilhelm Bezold (1837- 1907)............Erweitert den Farbkreis und führt Harmonie nicht
nur auf den Komplementärkontrast zurück
Albert Henry Munsell (1858-1918).......Farbharmonie ist nur ein Ausdruck für Farbordnung
Paul Baumann (1912)....................Farbatlas; Harmoniewähler (s.unten)
Wilhelm Ostwald (1853-1932)............Doppelkegel; Farbharmonie kann nur durch Beziehungen
entstehen, die zwischen Farben vorhanden sind
Adolf Hoelzel (1863-1934)..............Lehre von den sieben Farbkontrasten
Johannes Itten (1888-1967).............Farbstern mit Weiß ; Variation zu Runges Farbkugel

Mit dieser Liste mag es genug sein, die Menschen aufzuzählen welche entscheidende Schritte zum Verständnis von Farbenharmonie eingeleitet bzw. definiert haben.


Deutungen, praktische Anwendungen

Mit dem kompletten zwölfteiligen Farbkreis ist uns ein Hilfsmittel in die Hand gegeben, das uns erlaubt sämtliche Farben, gleich welcher Mischung, in seinen Platz einzuordnen. In dieser Ordnung ist erkennbar daß rötliche Bereiche den blau-grünlichen und die orange-gelblichen den blau-violetten jeweils gegenüber liegen. Somit hat jede der einzeln dargestellten Farben sein Komplement (Ergänzung). Die lineare Verbindung einer Farbe durch den Kreismittelpunkt führt, wenn die Linie fortgesetzt wird zu seiner Komplementärfarbe.

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Maler des 19. und 20. Jahrhundert griffen die mit der Farbdiskussion einhergehende Publizierungen auf und es entstanden Werke, deren Farbgestaltung den Erkenntnissen der neuen Farblehren folgte.

William Joseph Mallord Turner (1775-1851) hat die von Goethe's Farblehre ausgehende gelb-orange-violett- Beziehung in dem Bild: Der Morgen nach der Sintflut in die malerische Praxis umgesetzt. Dieses Gemälde Turners gilt als Schlüsselwerk zum expressionistischen Darstellungsstil. Von einem Betrachter des Bildes,angesprochen: was es darstelle, antwortete Turner: Rot, Blau und Gelb
http://www.meisterwerke-online.de/gemaelde/joseph-mallord-william-turner/5198/licht-und-farbe-der-morgen-nach-der-sintflut.html Beispiel:Der Morgen nach der Sintflut

An dieser Stelle muß nocheinmal Leonardo da Vinci erwähnt werden:

Es bleibt uns noch eine zweite Regel zu erwähnen, die nicht darauf ausgeht,den Farben an sich
zu höherer Schönheit zu verhelfen, als sie von Natur haben,sondern zu bewirken, daß sie durch
ihre Gesellschaft einander Anmut verleihen, wie beispielsweise Grün dem Rot und Rot dem Grün
Die verleihen einander wechselseitig Anmut, und ebenso tun Grün und Blau.

Ohne Farbkreis hat Leonardo da Vinci, quasi aus seiner natürlichen Begabung heraus zu beobachten annähernd, die Farbbeziehungen, wie sie im Farbkreis vorliegen beschrieben.

Mit Kontrast zur Harmonie

Michel Eugene Chevreul hat sich als Farbendirektor einer Gobelinmanufaktur mit Farben zu befassen. Er fand heraus, daß die Leuchtintensität einer Farbe nicht von der stärke des Farbtons abhängt. Befinden sich bestimmte Farben in der Nähe leuchtender Farben verloren diese ihre Intensität. Von dieser Beobachtung aus formulierte er das Gesetz des Simultankantrastes. Es legt fest welche Farbkombinationen ungünstig sind, im Gegensatz zu denen die Kraft und Reinheit der Töne steigern.

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Ungünstige Mischungen wirken sich auf reine Grundfarben negativ aus.

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Die Urfarbenbeziehung Gelb- Rot- Blau ist im Farbkreis durch die Zwischenfarben nicht aufgehoben. Jede Zwischenfarbe auf dem Kreis hat sein Komplement und kann mit der GELB-ROT-BLAU- Betrachtung zur Harmonie einer Farbgestaltung führen. Hierzu wurde 1912 von Paul Baumann ein Harmoniewähler entwickelt, der in abgewandelter Form leicht selbst hergestellt werden kann.-Sonderbeitrag- Der Harmoniewähler verwendet im Mittelpunkt des Farbkreises angebrachte Wählsterne deren Strahlen auf mögliche komplementäre oder verwandte Farben zeigen.

Die Maler des Expressionismus griffen verstärkt die komplementäre Farbgestaltung auf und schufen wunderbar abgestimmte Bildwerke, die wir beispielsweise bei Franz Marc's Tierbildern bestaunen können.
Beispiel: [1]
Eindeutige Komplementärkontraste sind auf dem schönen Bild zu sehen; rot-grün, grün- helles blau gelb-grün,blauschwarz und violett zu allen übrigen Farben; sie fügen sich insgesamt mit den Formen quasi zu einer fünfklängigen Harmonie zusammen. Bildquelle:(www.zeno.org - Zenot Verlagsgesellschaft)


Der zur selben Zeit lebende August Macke erweiterte diese Farbgestaltung in menschliche Bereiche. Es ist zu sehen,daß sich aus der Anordnung der Farbkomplemente eine ausgezeichnete Harmonie ergibt.

Badende Mädchen mit Stadt im Hintergrund:

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Bildquelle:(www.zeno.org - Zenot Verlagsgesellschaft)

Diese Gemälde schöpfen ihre Wirkung aus den komplementären Farbkontrasten. Es reiht sich Fläche an Fläche zu einem harmonischen Ganzen. Jede Farbgebung ist von einer anderen abhängig. Wie schon oben erwähnt lassen sich mit Hilfe von Wählsternen die echten Komplementärkontraste bestimmen. In einem Gemälde, wie das der- Badenden Mädchen mit Stadt im Hintergrund- s.o. lassen sich damit eine vielzahl solcher Beziehungen feststellen. Wie in der Klangwissenschaft der Musik wird bei den Farben von Klängen gesprochen was damit gemeint ist zeigen folgende Darstellungen:

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Nun ist es nicht so als müsse der Maler ständig auf solche Farbbezüge achten; wer nach der Natur malt dem fügen sich die Farbgebungen von selbst, weil sie festgelegt sind. Sobald jedoch Form- und Farbabstraktion in den Vordergrund der Darstellung treten, müssen für die Farbe die Regeln aus dem Farbkreis gelten.

Allerdings ist seit Piet Mondrian mit dieser Regel gebrochen; die - Farbflächenmalerei- hat seit seinen Darstellungen mit weißen Flächen und schwarzen Linien die Farbe an den Rand gedrängt, so daß für Farbe, die zwar ästhetisch in der Wirkung bleibt, nur noch spärliche harmonische Zusammenhänge bleiben; oder nur noch Signalwirkung vermitteln.

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Ähnlich verhält es sich mit den Bildern von Yves Klein, Mark Rothko, Josef Albers usw.,wo Farbe die ganze Bildfläche ausfüllt. Yves Klein ließ sich eine solch Farbdarstellung in Blau sogar als seine Erfindung patentieren.

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Alle diese Darstellungen fanden interessanter Weise ihren Platz in der heutigen Architektur und auch in unsere unmittelbare Wohnumgebung, wo sie zur Gestaltung von großen Flächen und auch Alltags-Gegenständen entsprechende Aufgaben erfüllen.

Vertiefende Literatur

Handbuch der Farben: Hans Gekeler , Dumont

Farben und Formen: Van Biema, Ravensburger Buchverlag

Das Geheimnis der Farben: Viktoria Finlay , List

Harmonielehre der Farben: Harald Küppers,Dumont

Entfernung der Natur: Oskar Bätschmann, Dumont

--Sefenhan 17:17, 01.02. 2008 (CET)

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